das junge orchester NRW
Ingo Ernst Reihl
Als Gustav Mahler im Sommer des Jahres 1909 in der Abgeschiedenheit seines Komponierhäuschens in den Wäldern Toblachs die Arbeiten an seiner 9. Symphonie abschließt, befindet sich die Welt um ihn herum im Wandel. Das Fin de Siècle ist angebrochen und bestimmt das Lebensgefühl der Menschen. Die Zukunft ist ungewiss. Eine euphorische Aufbruchsstimmung steht neben Verfallsängsten und der Sorge vor nahenden Katastrophen. Auch Mahlers Symphonie steht an dieser Schwelle zu einer neuen Zeit und legt Zeugnis von den Ansichten und dem Seelenleben ihres Schöpfers ab. Wie ein persönlicher Kommentar auf den Zeitgeist blickt sie mal optimistisch, mal pessimistisch nach vorn sowie zurück. Zu Beginn des noch unheimlichen neuen Jahrhunderts wagt Mahler auf dem Gebiet der Musik als einer der ersten den Schritt über die Schwelle und stößt mit orchestraler Klangpracht und emotionaler Intensität die Tore zur Moderne auf. Ein Konzerterlebnis, das weit über den letzten Ton hinaus nachklingt.
Gustav Mahler
Symphonie Nr. 9
Großer Saal