Mit der Ausstellung „SCHEREREIEN“ treffen in der Zeit vom 04.10.2026 bis zum 01.11.2026 drei eigenständige künstlerische Positionen aus Wuppertal im Kultur-Haus Zach aufeinander: Kirsten Rönfeldt, Klaudia Anosike und Barbara Brost. Alle drei Künstlerinnen arbeiten im Umfeld der Mirker Ateliers und jede von ihnen entwickelt aus ganz unterschiedlichen Materialien, Motiven und Arbeitsprozessen eine eigene Bildsprache. Der Ausstellungstitel ist dabei mehr als ein augenzwinkerndes Wortspiel. Die Schere steht sinnbildlich für das Herauslösen, Trennen, Verschieben und Neuordnen. Genau diese Prozesse spielen in den Arbeiten der drei Künstlerinnen eine zentrale Rolle. Fundstücke werden zu neuen Erinnerungsbildern, Papier wird durch Schneiden und Schichten zum räumlichen Pflanzengefüge und reale Stadtansichten werden zu einem neuen, beinahe surrealen Bildraum.
Kirsten Rönfeldt interessiert sich für Dinge, die bleiben, obwohl sie längst hätten verschwinden können. Für Stoffreste, Papier, Fotografien, Verpackungen, Gebrauchsspuren, für das Aufbewahrte und das Übersehene. Dinge, die einmal selbstverständlich waren und irgendwann bedeutungslos erscheinen. Sie nimmt diese Dinge ernst. Nicht, weil alles bewahrt werden muss, sondern weil sich in ihnen etwas eingeschrieben hat: Zeit, Herkunft, Gebrauch, Erinnerung, manchmal auch ein Stück Identität. Aus diesen Spuren entstehen Collagen, Assemblagen und textile Installationen, bei denen sie zerlegt, verschiebt, verbindet und neu zusammensetzt. Dabei interessieren sie weniger die schönen Einzelstücke als das, was zwischen den Dingen entsteht: Brüche, Überschneidungen, Widersprüche und unerwartete Verwandtschaften. Ihre Arbeiten sind eine leise Form von Widerstand gegen das schnelle Verschwinden, gegen die Vorstellung, dass nur das Neue, Effiziente und Verwertbare die Aufmerksamkeit verdient. Denn was weggeworfen wird, ist nicht unbedingt vergessen, und was aufbewahrt wird, ist nicht einfach Vergangenheit. Kirsten Rönfeldt interessiert insbesondere dieses Dazwischen, zwischen persönlich und gesellschaftlich, zwischen Nutzen und Wert, zwischen erinnern und erfinden, zwischen dem, was einem gehört, und dem, was miteinander geteilt wird. Vielleicht ist das auch eine Frage von Wurzeln. Was wird gebraucht, um irgendwo anzukommen, ohne sich festzulegen? Was verbindet einen, wenn Herkunft, Heimat und Identität längst keine eindeutigen Begriffe mehr sind? Ihre Arbeiten versuchen, diese Übergänge sichtbar zu machen.
Nach dem Studium im Bereich „Industrial Design“ an der BUGH Wuppertal und ihrem Abschluss als Diplom Designerin ist Kirsten Rönfeldt als freie Künstlerin und Designerin unterwegs. In den Jahren 2005 bis 2009 übernahm sie Dozententätigkeiten im Bereich Mediengestaltung und konzeptionelles Zeichnen am Berufskolleg, Wuppertal. Seit 2015 ist sie Inhaberin der Design-Handlung in Schwelm mit Galerie, Atelier sowie Werbeagentur. Heute konzentriert sie sich überdies auf freie Kunstprojekte zu Themen wie Archiv, Erinnerung und Wert.
Klaudia Anosike absolvierte ihr Diplom im Fachbereich Kommunikationsdesign im Jahr 1983 an der Gesamthochschule in Essen. Danach war sie über 30 Jahre Angestellte an der Musik- & Kunstschule Velbert im Bereich „Bildende Kunst“. Beim Erschaffen ihrer Werke mit meist floralen und pflanzlichen Motiven ist die Schere eines der wichtigsten Utensilien. Wenn sie schneidet, befindet sie sich sehr schnell in einem Zustand der Selbstversunkenheit. Das Schneiden und das Freilegen zwingt zur seriellen Darstellung und einer abstrahierten Silhouette der Pflanzen, damit das filigrane Netz floraler Formen nicht auseinander fällt. Sie verwendet Büttenpapiere, die eher weich und filzig daherkommen und meist stark eingefärbt sind, sodass durch die verschiedenen Ebenen ein starker Kontrast entsteht. Durch Licht und Schatten entsteht ein schwer überschaubares Gewirr, das dem Betrachter wechselnde Ansichten beschert.
Die freien Arbeiten der Kommunikationsdesignerin Barbara Brost entstehen in den Mirker Ateliers. Für ihre zeichnerische Auseinandersetzung mit Architektur findet sie im spannungsvollen Stadtbild Wuppertals zahllose Motive. In der Reihe "Die Stadt" kombiniert sie reale Ansichten immer wieder neu und durch die räumlich getrennten Ebenen entsteht ein fast schon surrealer Eindruck, ein Bild in dem sich der Betrachter verlieren kann.
Nun sind Werke der drei Künstlerinnen in der Ausstellung „SCHEREREIEN“ im Kultur-Haus Zach vereint und laden dazu ein, das Vertraute neu zu betrachten.
Eröffnet wird die Ausstellung mit einer Vernissage am 04.10.2026 in der zeit von 11:00 bis 13:00 Uhr. Danach ist die Ausstellung bis zum 01.11.2026 während der regulären Veranstaltungen im Kultur-Haus Zach sowie nach vorhetriger Terminvereinbarung geöffnet.